Von Heinz D. Swoboda-Kirsch

Wer an Xian in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi denkt, assoziiert sofort das weltbekannte Mausoleum mit der Terrakotta-Armee des ersten Kaisers Qin Shi Huang. 2000 Jahre bewachten die 8000 Tonkrieger das Grab. Erst 1974 stießen Bauern bei Brunnenarbeiten auf Tonscherben. Grabungen haben dann vier Gruben, davon drei mit überlebensgroße Tonfiguren (Menschen und Tiere) freigelegt, die heute unter einer Halle restauriert den Besuchern gezeigt werden. Das UNESCO-Welterbe liegt ca. 30 Kilometer nordöstlich von Xian und 1,5 Kilometer östlich des Grabhügels. Xian (früher Chang’an -ewiger Friede- genannt) war 1100 Jahre Hauptstadt Chinas während 13 Dynastien. So lassen sich dort und in der Umgebung noch heute archäologische Relikte aus Tausenden von Jahren finden.

So auch vor kurzem, als bei Bauarbeiten für den 76 Hektar Xi’an Xianyang International Airport (西安咸阳国际机场) und einer 50 Kilometer langen U-Bahn-Verbindung, die durch ein dicht besiedeltes Viertel mit Gräbern aus der Sui- und Tang-Dynastie führen wird, 3.500 Gräber mit 4.500 Fundstücken entdeckt wurden. Archäologen arbeiten seitdem rund um die Uhr an der Kartierung und Sicherung der wertvollen Funde. In Xian und im Umfeld liegen so viele Schätze, dass nach einer Verfügung der chinesischen Regierung jede Baustelle zu einer „Kulturschutzzone“ erklärt wird. Archäologen werden herbeigerufen um sicherzustellen, dass alles was historisch wertvoll ist, geborgen und damit für die Menschheit erhalten bleibt. Erst dann können die Bagger anrollen. Nach einem Bericht in der South China Morning Post werden in der Provinz Shaanxi jährlich bis zu 100 archäologische Funde entdeckt. Wer sich zum Beispiel mit dem Auto von Xian in Richtung des Mausoleums bewegt, erkennt in der Landschaft viele für Grabstätten typische Hügel. Es ist voraussichtlich nur ein kleiner Teil der Zeitzeugen, die bisher das Tageslicht erblickt haben. Deshalb werden wir voraussichtlich noch lange Zeit von Funden in dieser Provinz hören und nach Coronazeiten, wie viele Besucher aus aller Welt, die Exponate aus tausenden von Jahren bewundern können.

Für Archäologen ist das riesige Reich mit seiner langen Geschichte von sehr großer Bedeutung. Denn auch in anderen Regionen des Landes werden durch Bauarbeiten oder Naturereignisse Fundstücke freigelegt. Grabkammern, Relikte aus der Stein- und Bronzezeit, Opfergaben und vieles mehr. Auch durch die verstärkte systematische Erschließung von Chinas Westen werden sehr viele neue Relikte entdeckt. Auch im Süden des Landes, wo in der Nähe von Hangzhou in der Provinz Zhejiang seit den 70er-Jahren interessante Funde aus der jungsteinzeitlichen Liangzhu-Kultur良渚文化 (3400-2000 v.Chr.) gemacht wurden. Viele der bedeutenden Fundstücke sind im 195.000 qm großen Nationalmuseum in Peking (中國國家博物館) (in unmittelbarer Nähe des Tiananmen-Platzes gelegen) zu besichtigen. Es ist das bedeutendste Museum des Landes und beherbergt mehr als 1 Million Objekte. Für jeden der Beijing besucht, ist es ein „Muss“, sich auf eine Reise durch die geschichtliche Entwicklung Chinas zu begeben. Insgesamt gibt es im Land über 5.000 Museen, die Anzahl hat sich in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches erhöht.

 

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