von Heinz D. Swoboda-Kirsch

Nur noch wenige Tage, dann wäre es soweit: Hunderte Millionen Menschen würden sich in China auf den Weg zu ihren Familien machen, um gemeinsam das chinesische Neujahrfest (chūnjié) zu feiern. Es gibt keinen Tag im Jahr, an dem in der Vergangenheit so viele Chinesen gleichzeitig unterwegs waren. Viele nahmen für das Fest selbst die weitesten Strecken in Kauf. Doch in diesem Jahr werden coronabedingt weniger reisen.

Jahr des Büffels

China ist mit 9.596.960 km² flächenmäßig 27-mal so groß wie Deutschland. Und so führte z.B.  eine Reise von der Provinz Heilongjiang ganz im Norden bis in die südlichste Provinz Guangdong über 3.600 Kilometer. Doch dieses Jahr wird es anders sein. Wegen der Coronapandemie, hat die chinesische Regierung darum gebeten, idealerweise zuhause zu bleiben. Zu groß ist die Angst vor der weiteren Verbreitung des Virus. So werden sich weniger, aber doch noch sehr viele Menschen auf den Weg zu ihren Familien machen.

Anders als in unserem gregorianischen Kalender, in der ja die Sonne den Takt bestimmt, beginnt das chinesische neue Jahr immer mit dem ersten Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. In diesem Jahr fällt dieser Tag auf den 12. Februar. Das chinesische Neujahrsfest ist mit dem klassischen westlichen Jahreswechsel, so wie wir ihn kennen, nicht zu vergleichen. Schon vorher werden Vorbereitungen für den wichtigsten Feiertag Chinas getroffen. Alles wird gründlich gereinigt. Schließlich soll das neue Jahr sauber und aufgeräumt beginnen. Überall wird das Glück willkommen geheißen. Mit roten Spruchbändern über den Eingängen der Häuser.  Rot deshalb, weil es die chinesische Nationalfarbe der Han-Chinesen ist und man mit ihr Glück verbindet.

Nach der Tradition des Landes gibt es für den Ablauf eine genau festgelegte Abfolge.  Das Fest dauert 15 Tage, wobei in den ersten Tagen am intensivsten gefeiert wird. Beendet werden die Feierlichkeiten mit dem Laternenfest. Weil es nur wenige gesetzliche Feiertage dafür gibt, setzen die Menschen häufig ihren gesamten Urlaub dafür ein.

Nach dem chinesischen Horoskop befindet sich das neue Jahr im Sternzeichen des Büffels und dem Element Metall. In dieser Kombination ist es also das Jahr des „Metall-Büffels“. Das verspricht Zuversicht, Berechenbarkeit, Leistung, Kraft. Nichts kann den Büffel aufhalten, er hat einen starken Willen und setzt sich durch. Er ist gerecht und geduldig und löst alle Probleme. Insgesamt kennt der chinesische Kalender 12 Tierkreiszeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein) und die 5 Elemente Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde. Es handelt sich also um einen 12Jahres-Zyklus. Allen Tierkreiszeichen, Elementen und der Kombination der beiden werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. So richten sich viele der Chinesen auch in ihrem konkreten Tun danach aus, was auch soweit gehen kann, dass sich Kinderwünsche besonders in vermeintlich „guten Jahren“ schneller erfüllen lassen.

Das chinesische Neujahrsfest ist vor allen Dingen ein Fest der Familie. In der Familie zu sein, heißt auch zu schenken. Gerne auch viel Geld, was dann in kleinen, roten Umschlägen (红包 Hóngbāo) übergeben wird. Nur neue Geldscheine, denn nur sie gelten als rein und damit besonders wertvoll, kommen dafür in Frage. Die kleinen roten Geschenke werden nach der Tradition des Landes persönlich übergeben und dürfen erst am Neujahrstag geöffnet werden.

Das seit Jahrtausenden traditionelle Neujahrsfest ist aus der chinesischen Kultur nicht mehr wegzudenken. Wann genau es zum ersten Mal erwähnt wurde, ist nicht überliefert. Gefeiert wird das vergangene Jahr und die Hoffnung auf ein glückliches neues Jahr. Deshalb dürfen ein gemeinsames üppiges Familienessen, Geschenke und viele Böller nicht fehlen. Und auch der Drachentanz und ein großes nächtliches Feuerwerk sind aus dem Ritual nicht wegzudenken.Neujahr

Unser Verein hat in den letzten Jahren sehr gern zu den Neujahrskonzerten eingeladen. Bereits 2020 war das wegen der Corona-Pandemie nicht mehr möglich. Und auch in diesem Jahr kann es leider nicht stattfinden. Wir alle hoffen, dass in den nächsten Jahren wieder Begegnungen von Musikern aus China und Deutschland möglich sind. Denn es sind vor allen die persönlichen Begegnungen, die zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Wir wünschen den Menschen in China und in aller Welt in ihrem neuen Jahr viel Glück, Gesundheit und Freude.