Bericht über unsere Veranstaltung: Wie denken die Deutschen über China und die Welt

GDCV – Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung hatte gemeinsam mit KÖRBER-Stiftung, der Chinesisch Deutschen Gesellschaft ChDG und Herrn Wen vom YU-Garden hatten zu einer Veranstaltung am 19. Januar 2024 eingeladen.

Mit über 100 Anmeldungen und 80 Erschienenen trotz Schneeglätte und großer Demo war es ein großartiger Auftakt 2024.

 

Thema war die Vorstellung der Berlin Pulse Umfrageergebnisse 09/2023 durch Herrn Jonathan Lehrer von der Körber-Stiftung, seine fachliche Einordung dann im Austausch mit Herrn Generalkonsul a.D. Dr. Peter Kreutzberger (Präsident der Allianz Deutscher China-Gesellschaften)  sowie Herrn Stefan Matz von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hamburg und Vize-Präsident der ChDG. Moderation und Leitung der Diskussion mit dem Auditorium erolfgte durch Herrn Thomas Römer, stellvertretender Vorsitzender der GDCV.

 

Herr Lehrer von der Körber-Stiftung stellte die Ergebnisse der jährlichen repräsentativen Berlin Pulse Survey Umfrage 09/2023 – somit einschließlich Ukraine-Krieg jedoch noch ohne die Nahost-Eskalation – zum Stimmungsbild der deutschen Bevölkerung gegenüber China und der Welt vor:
Die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber China ist rapide schlechter geworden. Seit dem Ukraine-Krieg ist die Orientierung Deutschlands hin zu den USA dominant, China wird überwiegend als Bedrohung wahrgenommen. Insbesondere die Jugend betrachte China aufmerksam und kritisch. Wobei Herr Lehrer darauf hinweist, dass unsere Jugend China und Asien mehr denn je bereist und sehr interessiert und informiert ist.

 

Nach Darlegung der Umfrage-Ergebnisse wurden diese zunächst im Podium mit noch weiteren geladenen China-Experten evaluiert. Herr Thomas Römer moderierte die Runde mit Herrn Dr. Kreuzberger, Herr Matz und Herrn Lehrer. Hier wurde deutlich, dass die Wirtschaftsbeziehungen zu China für Deutschland existenznotwendig sind und ein De-Coupling in unseren globalen Welt undenkbar. De-Risking gilt es zu eruieren.

 

In unserer globalen Welt benötigen wir unbedingt EINE Weltordnung, die so verschiedene Systeme, Kulturen und Historien CO-existieren lässt. Aktuell werden viele Länder vom USA-dominierten Westen ausgeschlossen, was zu parallelen Organisationen führt, u.a. BRICS. Hier wird notwendigerweise an Machtstrukturen gerüttelt.

 

Hier stieg das Publikum ein mit der Anmerkung, dass die alte Idee, durch Handel andere politische Systeme zu wandeln, nie funktioniert hat. Dies wohl letztendlich zum Glück, denn nur Vielfalt und Wettbewerb ermöglicht Innovation und eine Zukunft in der alle Beteiligten sich weiter entwickeln und gewinnen können. Voraussetzung – wie in jeder großen Familie – bleibt eine brückenbauende Kommunikation, klassische Diplomatie um den Kontakt zu halten um gemeinsame Möglichkeiten zu finden. Unsere Medien- und Politiklandschaft lässt aktuell hiervon einiges vermissen.

 

Verschiedenen Meinungen zu China werden mit dem Publikum ausgetauscht: Verschwinden von Politikern, Behandlung von Minderheiten, Chancenlosigkeit bei Projekt-Ausschreibungen, die Taiwan-Frage und die Ostperspektive Chinas (die Philippinen), Unterschied Chinas zu  Russland,  innenpolitische Herausforderungen…. Und dass die chinesische Politik – ebenso wenig wie in Deutschland – nicht gleichzusetzen ist mit den privaten Menschen in China, dort für den Normalbürger die „staatliche Kontrolle“ nahezu nicht den Alltag beeinflusst. Hingewiesen wurde auch, dass es jetzt neu in 2024 die Visa-freie Einreise nach China gibt für 15 Tage. Eine Einladung, diesem Land und seinen Menschen persönlich zu begegnen.

 

Auffällig für jede Veranstaltung in Deutschland bleibt, dass wir auch hier in diesem Rahmen letztlich viel über China sprechen und hier überwiegend Deutsche im Saal sitzen. Umso spannender, dass zugereiste hier teilnehmende Chinesen sich zu Wort melden. So kam der Aspekt auf, die Wiederbelebung der Seidenstraße zu Land auch als Alternative zu sehen zu einer – für alle Seiten katastrophalen – kriegerischen Auseinandersetzungen im Pazifik. Als friedlichere Herangehensweise, globale Möglichkeiten zu nutzen und um in EINER Weltordnung das Gleichgewicht immer wieder auszutarieren. Die chinesische Politik treibt einerseits Konflikte an, deren Beweggründe gilt es für uns zu verstehen. Gleichzeitig spricht hier ein Chinese mit Hamburger Wahlheimat vor diesem großen deutschen Auditorium sichtlich bewegt davon, dass die Chinesen viel friedlicher und versöhnlicher sind, als wir es hier wahrnehmen.

 

Nachdenklich macht auch eine ganz neue Besucherin unserer China-Veranstaltungen, eine Shanghai-Chinesin, die seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, die sich nach der Veranstaltung im persönlichen Gespräch bei Wein und Brezeln anvertraut: Dass „sie von dieser Veranstaltung ziemlich berührt ist und überrascht, dass es so viele Deutsche gibt, die China gut kennen, verstehen und lieben“. Offensichtlich erlebt sie erstmals so eine große gegenüber China aufgeschlossene Gemeinschaft in Deutschland.

 

Von ihr – ebenso wie von vielen weiteren Gästen – genutzt wurde die Möglichkeit eines anschließenden gemeinsamen Abendessens im YU-Garden-Restaurant, z.B.  mit herrlich tranchierter Pekingente. Ein weiterer kleiner und fröhlicher Schritt der Verständigung. Wir freuen uns auf mehr in 2024.

 

Helga Kröger, Hamburg 22.01.2024