Das China der Chinesen – Chinas Maritime Seidenstraße (April 2026)
Wer die wichtigsten Touristen Highlight Chinas gesehen hat, mag sein China-Bild bereichern. Hat sie oder er aber viel von China – historische Zusammenhänge der Innen- und Außenpolitik, Positionierung im Zeitalter der Globalisierung und Chinas zunehmende Entwicklungsdynamik, Erfolge der Reform- und Öffnungspolitik und die parallel entstandenen sozialen und wirtschaftlichen Widersprüche, Staats- und Gesellschaftsordnung … und wie lebt die zivile Gesellschaft in ihrem Land – verstanden?
Die Reihe “Das China der Chinesen” ist bemüht, vielfältige Einblicke in verschiedene Facetten Chinas zu ermöglichen: ökonomisch (Technologietreiber, Transformation und innovative Zukunftsvisionen), ökologisch und sozial (aktuelle Herausforderungen, Trends und Lösungsansätze) , gesellschaftlich (wie entwickelt sich die Gesellschaft, was bewegt die Menschen?), kulturell (moderne High-Tech Städte, Weltkulturgüter und fantastische Landschaften) und nicht vergessen bleiben die kulinarischen Höhepunkte unterschiedlicher Regionalküchen – oft in Orten, die nicht im Repertoire kommerzieller Reiseagenturen angeboten werden.

Die diesjährige Reise “Chinas Maritime Seidenstraße”, durchgeführt von der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung, Hamburg e.V., wurde vom Initiator der Reihe und Präsident der ADCG a.D. Dr. Peter Kreutzberger geleitet. Von ShenZhen führte die Reise entlang der chinesischen Meeresküste über 7 ausgewählte High-Tech-Handels-, Logistik- und Produktionszentren bis TianJin – darunter 6 der 10 größten Häfen Chinas sowie den Welt größten Souvenirmarkt in YiWu. Diese repräsentieren die wichtigsten maritimen Wirtschafts-Cluster Chinas: Perlfluss-Delta (86 Mio Einwohner/12 % des chinesischen BIP), YangTse-Delta (240 Mio/45%), ShanDong (100 Mio/8 %) und BoHai-Region (112 Mio/N.N.). Autonomes Fahren, BaiDu KI-Entwicklung, Ökologische Abfallverwertung gaben Einblicke in die technische Innovationskraft Chinas. Historische Höhepunkte waren Begegnungsstätten Chinas mit Kolonialmächten in HuangPuCun (Kanton), GuLangYu (XiaMen), WaiTan (NingBo), Konzessionsgebiete (Kanton, QingDao, TianJin), UNESCO geschützte Orte u.a. die TuLou (=Lehmhäuser) der Hakka-Bevölkerung, der Wohnkomplex des CAI-Clans und die LuoYang Brücke in QuanZhou.

Direkte Kommunikation mit Chinesen ergab sich in der Deutsch Abteilung der XiaMen Universität, dem Besuch der Schule Nr. 9 in HuangDao – wo unsere Gruppe zum Mittagessen in die Schulkantine eingeladen wurde, sowie bei Besuchen von Museen in NingBo, RiZhao, TianJin, beim Besuch eines Nachbarschaftskomitees sowie mehreren Begegnungen mit örtlichen Freundschaftsgesellschaften – zu der u.a. die TianJiner uns am letzten Tag der Reise im GouBuLi Restaurant empfing, wo die Reiseteilnehmer sich in der Kunst, die berühmten BaoTse (Teigtaschen) selber zu formen, üben konnten.

Historisch gab es nicht eine Seidenstraße, sondern ein System von Routen des Handels zwischen Ost und West, deren Geschichte sich über die vergangenen 2500 Jahre entwickelte. Die Anfänge waren eine allmähliche Ost-Ausdehnung der Persischen Kaiserstraße, die überwiegend über den Landweg China am Ende der Zhou Dynastie (ca. 300 v.u.Z.) erreichte. Der griechische Geschichtsschreiber Strabo (Zeitenwende) erwähnte “die Grenzen Seres” (= China identifiziert durch “Seide”). Anzunehmen ist, dass ein Großteil der Handelsgüter in beide Richtungen über Zwischenhandel befördert wurde. Die Zahl der Direkthändler ist nicht bekannt, da die ersten schriftlichen Reisebeschreibungen (Missionar Rubruk, Marco Polo) erst im 13. Jh. verfasst wurden. Ab dem 15 Jh. entstand sowohl von chinesischer Seite, als auch von arabischer wie europäischer die Ausdehnung der maritimen Seidenstraße, die vom Handelsvolumen den Landhandel schnell überholte.

Chinas Handelsgüter, vor allem Tee, Seide, Porzellan, brachten großen Profit, da China bis ins fruehe19 Jh. durchgehend die global größte Wirtschaftsnation war – eine Wirtschaft mit agrarischem Überschuss, fähig durch diesen, in Forschung, Innovation und zeitgemäß moderner Produktion zu investieren. Es war wenig auf Importe angewiesen. Der Schwund an Silber durch diesen unausgeglichenen Handel führte zum zwangsweisen Import an Opium (2 Opiumkriege). Die Aufklärung in Europa hatte u.a. zur Entwicklung vollkommen neuer Militärtechnik geführt, der China unterlegen war. Das Land erlebte “Das Jahrhundert der Schande”.

Chinas Staatspräsident XI JinPing steht dafür, China wieder zur Welt stärksten Wirtschaftsnation zu entwickeln. Die unter ihm politisch eingeführte Initiative “Neue Seidenstraße” steht nicht nur für Prosperität allein durch Außenhandel zu Land oder Wasser, sondern in allen innovativen Sektoren an erster Stelle mitzubestimmen. (Dieses Konzept würde diesen Rahmen sprengen, könnte aber Schwerpunktthema einer Reise “Das China der Chinesen” werden.)
Kommentar eines Mitreisenden: “Diese Binnensicht auf das Land hat auch meinen Blick auf China wesentlich geändert und zu einem besseren Verständnis der Volksrepublik beigetragen.”

