Offenes Werkstattgespräch: Spuren des Boxerkriegs in Norddeutschland

Welche Rolle spielten Männer aus Norddeutschland, die an den Plünderungen und Gräueltaten beteiligt waren oder diese organisierten währen des Boxerkriegs und danach? Was wurden aus den damals geraubten Kunstgegenständen? 

27. April 2022, 16.00 Uhr Online 

Anmeldung: https://us02web.zoom.us/s/89820259775?pwd=ZUQyQzJZa3hncFVDVklkeVkrcVhSUT09

Kenncode: 369700

Textbeiträge an:  

 

Projekt “Traces of the ‚Boxer war‘ in German museum collections”

Sehr umfassend nehmen sich Museen diesem Thema an. In einem bundesweiten Projekt kooperieren sieben deutsche Museen, um ihre Bestände systematisch nach Plünderware aus dem Boxerkrieg zu befragen und gemeinsam deren Provenienzen zu erforschen.

Aus Hamburg sind gleich zwei Museen beteiligt: Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt Hamburg und das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Aus Hamburgs Partnerstadt Shanghai ist die Shanghai University, Department of History Projektpartner.

Es lagern enorme Bestände aus den ehemaligen Kolonien größtenteils nicht zugänglich in den Kellern und Archiven deutscher Museen. Allein das Museum am Rothenbaum hat insgesamt etwa 260.000 Objekte. Davon stammt etwa ein Drittel aus kolonialen Zusammenhängen oder kamen zumindest in der Hochphase des Kolonialismus ins Haus. Diese werden nun verstärkt untersucht. Eine vorläufig Liste die im Internet abgerufen werden kann, in der auch Objekte ohne koloniale Problematik enthalten sind, umfasst 760 Seiten:

MARKK-Soas-bis-1920.pdf (markk-hamburg.de)

In diesem “Werkstattgespräch” zum Thema “Spuren des Boxerkriegs in Norddeutschland” stellen Expertinnen dieses groß angelegte Forschungsprojekt vor und berichten aus den beiden beteiligten Hamburger Museen.

Programm

Begrüßung und allgemeine Übersicht zur Deutschlands Rolle beim Boxerkrieg

  • Dr. Thomas Kiefer, Asia Media Service

Projektvorstellung “Traces of the ‚Boxer war‘ in German museum collections”
– Kerstin Pannhorst, Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Erste Arbeitsergebnisse MARKK Hamburg
– Dr. Susanne Knödel, Leitung Wissenschaft / Kuratorin der Abteilung Ost- und Südasien, MARKK Hamburg

Erste Arbeitsergebnisse MKG Hamburg
– Wibke Schrape, Sammlung Ostasien und Islam – Leitung und Kuratorin, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Fragerunde und Diskussion

 

Diese Online-Konferenz wird von Asia Media Service durchgeführt, Koordinator ist Thomas Kiefer.

 

Forschungsstelle ‘Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung

Die Forschungsarbeiten der Museen laufen mit weiteren Forschungsprojekten, welche die historischen und politischen Hintergründe beleuchten und die in einem späteren Werkgespräch vorgestellt werden können. In Hamburg koordiniert der Projektverbund “Forschungsstelle ‘Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung'” an der Universität Hamburg Projekte zum Thema Globalisierung und Kolonialismus.

https://kolonialismus.blogs.uni-hamburg.de/2021/12/28/chinesenviertel-oder-der-lange-weg-zur-postkolonialen-erinnerung/

Sehr aussagekräftig ist es dabei auch die Biographie der an dem Boxerkrieg beteiligten Offiziere und die Würdigung dieser Personen in der frühen Bunderepublik anzusehen. Die kritische Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und der Rolle von Deutschland am Boxeraufstand ist nicht neu. Bereits 1968 stürzten Studenten Denkmäler von Militärführern, die zuvor als „Helden der Kolonialzeit“ verehrt wurden. Danach würde es wieder still um dieses Thema. Erst in jüngster Zeit gewinnt die kritische Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte erneut Konjunktur. Mit unseren „Werkstattgesprächen“ möchten wir die unterschiedlichen Initiativen, die sich in Bezug auf China damit beschäftigen, vorstellen und einen offenen Dialog dazu ermöglichen.


General Paul von Lettow-Vorbeck

In Aumühle bei Hamburg steht am Mühlenteich etwas schief das Denkmal von General Paul von Lettow-Vorbeck. „Zeit seines Lebens hat sich der Spross einer preußischen Offiziersfamilie auf Kriegsschauplätzen getummelt. Zwischen China, Hamburg und Südwestafrika hinterließ er eine blutige Spur. Seine Feuertaufe erlebte Lettow-Vorbeck als Freiwilliger während des sogenannten Boxeraufstands. Wilhelm II. hatte sich damals durch besondere Härte hervorgetan, in seiner später als “Hunnenrede” bekanntgewordenen Ansprache verlangte er: “Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand (Zitat aus: Der Spiegel).”

Erster Weltkrieg: General Paul von Lettow-Vorbeck in Ostafrika – DER SPIEGEL

Junge Offiziere folgten begeistert diesem Ruf und Paul von Lettow-Vorbeck startete in China seine Karriere und sammelte dort erste Erfahrungen. “Die operative Tätigkeit im Felde beschränkte sich auf Unternehmungen einzelner Kolonnen. An einigen durfte ich teilnehmen. Im Januar 1901 erhielt ich hierbei meine Feuertaufe. Nach andauernden Märschen bei dreißg Grad Kälte kamen wir nachts bei tiefem Schnee an ein Boxernest nordöstlich von Peking, das wir überrumpelten. Nach kurzem Feuergefecht wurde gestürmt. Bei einer anderen Gelegenheit begleitete ich eine Expedition österreichischer Marine südlich Peking, wo Boxer in ihren Quartieren festgenommen und kriegsrechtlich erschossen wurden. (Paul von Lettow-Vorbeck: Mein Leben. Biberach an der Riss 1957, S. 59)”

Siehe auch:
https://www.bismarck-stiftung.de/veranstaltung/vergangenheit-die-nicht-vergehen-will-135-jahre-deutsche-kolonialgeschichte/

Koordination: Dr. Thomas Kiefer, Asia Media Service

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