GDCV EXCLUSIV. Veranstaltungsbericht „Mein China“. Buchvorstellung und Gespräch mit Rolf Geffken

Chinas Rechtsstaat beschließt nicht nur Arbeitsrecht, sondern schult die Beschäftigten auch, dieses für sich durchzusetzen

Mein China. Viele mehr oder weniger gute Kenner des Reiches der Mitte stellen in zahlreichen Büchern ihr persönliches Chinabild vor. Diese Bücher sind meist aus einem westlichen Blickwinkel geschrieben. Die Eigentümlichkeiten des Landes und seiner Bewohner und die speziellen Entwicklungsdynamiken können so kaum erkannt werden. Dem möchte Rolf Geffken mit seinem neuen Buch etwas entgegensetzen. Doch auch dieser Kontrapunkt soll keine objektive Betrachtung sein. Das Buch schildert vielmehr die neuesten Entwicklungen in China mit dem Hintergrund einer langjährigen und tiefen Erfahrung mit dem Land als Jurist – und als Mensch. Mit diesem äußerst lebendig und engagierten Vortrag eröffnete das Konfuzius-Institut Hamburg nach der langen Corona-Pause seine Präsenzveranstaltungen im herbstlich-bunten wunderbaren Yu-Garten.

  1. Das Buch mit seinen vielen Geschichten von deutsch-chinesischen juristischen Begegnungen, Anwaltskonferenzen oder Rechtsstaatsdialogen soll hier nicht ausführlich vorgestellt werden, man sollte es schon selbst lesen. Es hat keine trockene Juristensprache, sondern ist wie Geffkens Vortrag lebendig mit Blick auf den Menschen, auf die einfachen arbeitenden Menschen geschrieben. Drei Schlussfolgerungen zieht Geffken aus seinem Blick auf China:
    1. Der Westen muss mehr Respekt gegenüber China zeigen.
      Wir sind von tiefgreifenden Vorurteilen gegenüber China geprägt, die es zu hinterfragen gilt. Auch vor dem Hintergrund der eigenen Kolonialgeschichte kann der Westen nicht nur stolz auf seine eigen Leistungen für die Welt sein.
    2. Bei uns besteht andererseits eine unglaubliche Naivität im Umgang mit China.
      Beispielsweise begrüßten einige Kommunen chinesische Investoren als Retter von Regionalflughäfen. Ob dabei wirklich richtige Unternehmen dahinterstanden, wurde nicht geprüft.
    3. Bei den in Zusammenhang mit China behandelten Themen muss man Vergleiche mit gleichen Maßstäben anlegen.

Mit seinem Buch möchte Geffken zur Überwindung von Vorurteilen beitragen. Der landläufigen Sichtweise, dass China ein Unrechtsstaat sei, setzt er seine praktische Erfahrung als Jurist mit offenen Blick entgegen. Bei einem seiner Besuche in China sah er auf der Straße auf meterlangen Informationstafeln Comics. Das waren Wandzeitungen zum neuen chinesischen Arbeitsrecht. Das Arbeitsrecht funktioniert nur, wenn ihr es einfordert, war die Botschaft. Überstunden, Wochenendarbeit – dafür stehen euch Zuschläge zu. Fordert eure Rechte ein. Ähnliche Kampagne gab es auch in den Zeitungen und anderen Medien Chinas, berichtet Geffken.

Hat es bei uns jemals solche Gesetzeskampagnen zur Einforderungen von neuen Arbeitsschutzbedingungen gegeben, fragt Geffken kritisch beim Blick auf Deutschland. Warum beschäftigen sich mit solchen praktischen Fragen keine Sinologen, warum wird darüber nicht in den Medien berichtet? Ganz einfach, so Geffken. Im Hinblick auf China kritisieren diese gern, aber Sinologen wie auch Journalisten sind nicht interessiert daran, wie Arbeitsrecht in der Praxis funktioniert.

Ein Gesetz ist nur etwas wert, wenn es auch in Anspruch genommen wird. Der chinesische Staat ist dabei durchaus parteiisch. Unternehmer aus Billiglohnfabriken aus Südchina zogen protestierend nach Peking. Die kontinuierlich steigenden Mindestlöhne machen ihnen das Geschäft unmöglich, und sie drohten abzuwandern. Dann wandert ab, Ausbeutung und Lohndumping möchten wir nicht in China, auf solche Arbeitsplätze möchte man verzichten, war die Antwort aus den zuständigen Ministerien, berichtet Geffken.

Doch Geffken hat bei dem Blick auf China keineswegs nur eine rosarote Brille auf. Korruption oder zunehmende soziale Ungleichheit bergen eine gewaltige Sprengkraft. In dem anschließenden Gespräch mit der Journalistin und Projektmanagerin Haifen Nan zeigten sich Wege, wie diese Probleme angegangen werden können. Nicht durch Druck von außen, sondern von der eigenen Bevölkerung, durch Bildung. Die jüngere Bevölkerung war noch nie in der vieltausendjährigen Geschichte so umfassend gebildet, so international ausgerichtet, so kritisch eingestellt. Mangelnder Respekt gegenüber China ist auch eine Respektlosigkeit gegenüber diesen Menschen.

Literatur im Teehaus, Samstag 23.10.2021, 16:00-17:30 Uhr
“Mein China” – Licht und Schatten im Reich der Mitte
Buchvorstellung „Mein China“ und Gespräch mit dem Autoren Dr. Rolf Geffken

https://www.drgeffken.de/14_China.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Geffken

https://www.frischesicht.de/mein-china-von-rolf-geffken-rezension/

Text und Fotos: Asia Media Service

 

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