China spielt auf der NordArt eine wichtige Rolle – Werkstattgespräch mit Qin Chong

Hans-Julius Ahlmann, Host Kunstwerk Carlshütte
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„Kunst aus China spielt seit Beginn der NordArt bei uns eine wichtige Rolle. So sehen Sie auch in der Mitte unseres Eröffnungsempfangs die große stählerne Lotusblüte von Zeng Chenggang, Peking, die 2010 den damals von uns zum ersten Mal verliehenen NordArt-Preis gewann“, sagte Hans-Julius Ahlmann, Gastgeber der NordArt im Kunstwerk Carlshütte zur Ausstellungseröffnung in Büdelsdorf bei Rendsburg. Auch dieses Jahr ist China wieder breit vertreten und in die Feierlichkeiten zum 50-Jährigen Jubiläum der deutsch-chinesischen diplomatischen Beziehungen eingebunden. Ein großer Teil der riesige Eingangshalle „C1“ ist von chinesischen Künstlern belegt, fast hundert Werke stellen diese aus. „China war in den vergangenen Jahren ein wichtiges Rückgrat, vielleicht das wichtigste Rückgrat der NordArt, berichtete Ahlmann. Ausgesprochen aktuell ist ein Werk in Halle C1 von Qin Chong mit seinen angebrannten Papierröllchen, sagte Ahlmann.

Eröffnungs-Empfang NordArt 2022
Foto: Asia Media Partner

Ahlmann dankte dem Präsidenten des Schleswig-Holsteiner Landtags Klaus Schlie für seine engagierte Unterstützung der NordArt, bei der Politik und Diplomatie. Schlie wies darauf hin, dass die Welt das Völkerrecht, viele internationale Abkommen und Vereinbarungen hat, die jedoch bei den aktuellen Problemen nicht immer weiterhelfen. Es gelte die Menschen unabhängig von Nationalität oder Religion anzusprechen, die Herzen zu erreichen. Das geht mit der Sprache der Kunst, wie sie auf der NordArt gezeigt wird. Die NordArt bleibt sich treu mit dem besonderen Schwerpunkt China und wie chinesische Künstler gezeigt werden, so Schlie.

Klaus Schlie, Landtagspräsident Schleswig-Holstein

Der chinesische Botschaftsrat Chen sagte, dass sich die NordArt in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Treffpunkte des chinesisch-deutschen Kulturaustauschs entwickelte. Die NordArt habe daher eine wichtige Rolle bei den diesjährigen Feierlichkeiten zum 50-Jährigen Jubiläum der deutsch-chinesischen diplomatischen Beziehungen.

Chen Jianyang. Gesandter-Botschaftsrat. Kulturabteilung
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Die Ausstellungsmacher und Besucher freuten sich ganz besonders in Corona-Zeiten, diese Kunstaustellung zu einem internationalen Treffpunkt mit direkter Begegnungen durchführen zu können. Doch hat der Krieg in der Ukraine die Welt unsicherer gemacht. Die Hoffnung ist, dass die Kunst für eine bessere Zukunft, für mehr Verständigung Wege zeigen kann. Kunst kann Dinge bewirken, welche die Politik so nicht machen kann. So ist das Werk einer Landkarte der Ukraine des chinesischen Künstlers Qin Chong erst bei der Vorbereitung der NordArt für die Ausstellung vor Ort entstanden.

Sie ist die traurige aktuelle Arbeit seiner Serie “Culture Territories”, die auf der Installation “Past-Future” von 2002 basiert. Zuvor entstanden „Culture Territories – Afghanistan 2001“, „Irak 2003“ oder „Ukraine 2014“.

Jeder Krieg der Menschheit verändert die Karte eines Landes oder einer Gemeinschaft, und diese Veränderungen wirken sich direkt auf die Struktur des Landes, seine Kultur, das soziale Leben und vieles mehr aus. Mit dieser Serie thematisiert Qin Chong eine seiner künstlerischen Grundfrage – Zivilisation und Krieg – durch Darstellung geografischer Veränderungen. Die auf den ersten Blick ruhige und schöne Formensprache drückt sein hartes Urteil über die brutale Geschichte der sogenannten Entwicklung der menschlichen Zivilisation aus. Die Installation besteht aus drei Teilen: der Asche von verbranntem Papier als Symbol für die Vergangenheit, den leeren weißen Papierzylindern mit verkohlten Rändern für die Zukunft und dem Geruch von brennendem Papier und Asche.

Convave Convex, Qin Chong 2021

Feuer ist für Qin Chong jedoch nicht nur ein zerstörendes Element. Feuer markiert den Anfang der menschlichen Zivilisation. In Ostasien wird Papier, Opfergeld zum Gedenken an die Ahnen verbrannt. Mit dem verbrennen von Papier gedenkt Qin Chong auch der Erschaffung der Zivilisation. Ist diese ausgebrannt?, fragt der Künstler.

Die Installation „Culture Territories – Ukraine 2022“ wird im Hintergrund von gewaltigen Fahnenmasten flankiert. Seine Installation „United Nations Black an White“ zeigt die Flaggen der 51 Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen. Die Fahnen sind so wie bei der Unterzeichnung der UN-Charter am 26. Juni 1945 in San Franzisco angeordnet. Was ist aus den Forderungen der damals verkündeten  Präambel der Vereinten Nationen geworden?

 

WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN – FEST ENTSCHLOSSEN,

künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,

unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,

Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,

UND FÜR DIESE ZWECKE

Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben,

unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren,

Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, dass Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern.

Sich diese Worte in Erinnerung zu rufen, trägt ganz entscheidend zum Verständnis der in Büdelsdorf gezeigten Werke von Qin Chong bei.

 

Werkstattgespräch mit Qin Chong, NordArt 2022
Foto: Asia Media Service

Werkstattgespräch mit Qin Chong auf der NordArt

 Gleich im Eingangsbereich der NordArt sind Ihre großen Installationen der Blickfang. Wie präsentieren Sie Ihre Arbeiten in China?

Ebenfalls in Ausstellungen und bei Veranstaltungen. In Peking habe ich Arbeits- und Ausstellungsräume, Besucher sprechen von einer musealen Größe mit schönen Garten. Das  entwickelte sich zu einem Besuchermagneten.

Zudem bin ich seit 1998 immer wieder in Deutschland, auch für längere Aufenthalte. Hier baue ich einen zweiten Arbeitsstandort in Berlin auf. Beide Metropolen haben eine eigene ungeheure Dynamik, die sich gegenseitig befruchten kann.

Kann man sagen, dass die chinesische Kunst internationaler als die westliche Kunst ist?

Es ist zunächst sehr schwierig zu sagen wie man international definiert. Der Eindruck, dass chinesische Künstler international ausgerichtet sind, liegt wahrscheinlich daran, dass viele chinesische Künstler und Kunststudenten in die Welt hinausgingen, chinesische moderne Kunst international Beachtung fand. Ob die jedoch international sind? Ich weiß nicht ob man das so sagen kann.

Besteht durch diese Internationalisierung nicht die Gefahr, dass sich dadurch eine globale Einheitskultur herausbildet?

Bei den chinesischen Künstlern, welche international bekannt wurden, muss man verschiedene Zeiten ansetzen. Die erste große Welle von chinesischen Künstlern, die international bekannt wurden, kam um die Jahrtausendwende. Die haben zumeist eine sehr leicht erkennbare chinesische Kunst geschaffen und sind oft auf den internationalen Markt ausgerichtet.

Wichtiger halte ich jedoch die Künstler, die sehr eigene Ausdrucksformen finden – international geschult und in der eigenen Kultur zu Hause. Diese gehen einen eigenen individuellen Weg. Das dürfte die interessantere Kunst sein

Ich versuche die Kunst zudem so zu entwerfen, dass die nicht in der Scham-Kultur verbleibt. Meine Kunst soll kraftvoll wirken. Die Kunst sollte nicht für den Markt produziert werden, sondern aus sich heraus entstehen.

Text und Fotos: Asia Media Service

www.qinchong.com

NordArt2022_QIN_Chong.pdf

Qin_Chong_NordArt_2021.pdf

 

KUNST AUS CHINA
„So Fern – So Nah“ • „如天涯–若比邻“

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland präsentiert die NordArt neue Werke von namhaften Künstlerinnen und Künstler aus China.

 

Eine Ausstellung wie ein Traum

„50 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland-China – daher zeigen wir  wieder sehr umfangreich Kunst aus China während der NordArt,“ erklärt Kurator Wolfgang Gramm. „Jeder sollte zu dieser Ausstellung kommen, jedoch mit dem nötigen Respekt. Jedes Ausstellungsstück ist ein Unikat. Darin sieht man von was die Künstler, die Menschen weltweit träumen. Und so ist die Ausstellung wie ein Traum. Hier sollte man lächelnd herausgehen.“

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